Egal in welcher Sprache du auf die Kacke haust… du tust es national.
Zugegeben ich bin nicht unbeteiligt und greife auch gern mal ins Klo. Mir bekannte Franzosen bemühen schnell mal die Hure. Und Italiener und Spanier machen sich mit Geschlechtsteilen Luft, und Russen haben ihren Mutterfluch. Sorry, aber die Welt schimpft nicht nur vielsprachig, sondern auch vieldeutig.
Schon als vierjähriger Junge gab es kein spannenderes Wort als das mit «A» am Anfang und «rschloch» am Ende. Grinsend und voller Freude über das Verbotene brachte ich es bei jeder Gelegenheit und gern in Variationen, um dann behaupten zu können: «Ich habe nicht Arsch gesagt!» Was für eine Freude! Und tatsächlich freuen sich kleine Jungs auf der ganzen Welt an den bösen Wörtern, doch überall fallen die ein bisschen anders aus.
Wir Deutschen, sind ausscheidungsfixiert. Alles, was der Körper vor allem auf der Toilette von sich gibt, wird als Fluch oder Beschimpfung ausgestoßen. Das passt zur deutschen Kultur der «Flachspüler». Das sind die Toiletten, in denen man ganz genau sieht, was den Darm soeben verlassen hat. Klingt unglaublich? Ist aber wissenschaftlich bereits von Slavoy Zizek aufgearbeitet worden. Der Forscher stellte fest: «Da bist Du mit Deinen Exkrementen konfrontiert und kannst sehen, ob Du vielleicht Würmer hast.» Die Deutschen, ein Land aus Toilettenforschern.
Fäkalien sind natürlich in allen Sprachen ein Dauerbrenner, als Shit, Merde, Merda, Mierda, Skit, Dermo oder Sift. Doch wo der Deutsche sich ein beherztes «scheiße» nicht verkneifen kann, sagt der Franzose eher mal «putain» (Hure), der Schwede bemüht den Teufel, Italiener «cazzo» (Schwanz), beim Spanier ist es eben «coño», dem bösesten aller Begriffe für das weibliche Geschlechtsteil.Südländer bevorzugen Geschlechtsteile
Denn während wir die «Fotze» als schwer frauenfeindliches Schimpfwort empfinden, heißt es im Spanischen einfach nur «Mist» oder auch «verdammt noch mal». Wer variieren möchte, kann auch zu den Hoden greifen, «cojones» wird genau gleich verwendet. Ohnehin sind Spanier massiv auf die Geschlechtsteile fixiert – und das nicht nur im negativen Sinne. Das etwas sanftere Synonym für «coño» zum Beispiel, «chocho», verwendet der Mann gern als Kosewort für seine Liebste, natürlich bevorzugt in der Verniedlichungsform «chochete». Und auch sein eigenes bestes Stück gibt er großzügig für sie her: Als «churri», oder besser noch «mi», also «meine churri», lassen sich spanische Mädels ohne großen Protest bezeichnen.
Der Italiener hingegen – und zwar auch die weiblichen Mitglieder dieser chaotischen Volksgemeinschaft im sonnigen Süden – fluchen fast ausschließlich mit dem männlichen Geschlechtsteil. Wenn eine rassige Dunkelhaarige Ihnen plötzlich «cazzo» entgegenschleudert, bezeichnet dies zwar den «Schwanz», doch als Schimpffloskel ist es die italienische Variante von «scheiße». Ähnlich maskulin wird in Italien mit einem galanten «mi rompi le palle» oder auch «chi hai rotto i coglioni» gemeckert. Übersetzt bedeutet beides dasselbe, es dient nur der sprachlichen Vielfalt: «Du gehst mir auf die Eier.» Frauen schimpfen per männlichem Hoden. Dabei sinkt selbst der sonst so testosteronschwangere italienische Jüngling zusammen.
Die Franzosen, hinreichend bekannt für ihre ach so weiche, nette Sprache: Auch sie können schimpfen, und das kräftig. Gern werden dazu Frauen diskreditiert: «Putain» bedeutet zwar Nutte, dient im Alltag aber eher als Abwechslung zum Standard-«Scheiß»-Wort «merde». Die Kombination aus beiden, «putain de merde» bedeutet eben «große Scheiße». Gern wird auch auf die Familie beim Schimpfen verwiesen: «Nique ta mère» heißt eben «Fick deine Mutter». Und ein «bordel» – na, Sie wissen schon – damit verbinden die Franzosen ein Chaos oder Sauhaufen. Da möchte man nicht wissen, wie’s in den dortigen Rotlicht-Etablissements aussieht …